Für die FIG wurde es in Jakarta schon vor der offiziellen Eröffnung der Turn-WM schwierig. Auf der Auftaktpressekonferenz mussten Präsident Morinari Watanabe und Generalsekretär Nicolas Buompane unangenehme Fragen zum Debakel rund um den Ausschluss Israels beantworten. Und machten dabei nicht unbedingt eine souveräne Figur.
Gemäß Artikel 26.4 der eigenen Statuten hätte die WM Indonesien eigentlich entzogen werden müssen. Das gab Buompane auch zu. „Wir hätten uns wirklich sehr gerne an diesen Artikel gehalten. Aber es gibt auch andere Artikel, bei denen es um die Sicherheit der Aktiven oder höhere Gewalt geht. Hier sind 1200 Menschen akkreditiert, 77 Verbände am Start. Wenn wir uns nur an diesen Artikel gehalten hätten, hätten wir sagen müssen: „Tut uns leid, Leute, fahrt nach Hause.“

Obwohl Indonesien seit über sechzig Jahren die politische Linie hat, israelischen Sportler*innen die Einreise zu verwehren und deshalb etwa vor zwei Jahren die U 20 WM im Fußball entzogen bekam, wurde die FIG nach eigener Aussage von der Entwicklung überrascht. „Wir wussten, dass die beiden Länder [Indonesien und Israel] keine offiziellen Beziehungen unterhalten. Bei der Vergabe der WM haben wir von der Regierung die Garantie erhalten, dass alle Teilnehmer*innen Visa erhalten. Das galt auch bis zum 9. Oktober“, erläuterte Buompane. Es habe aber dann in Indonesien Proteste gegen die Teilnahme Israels gegeben. „Bis zum 10. Oktober hatten sie noch die Visa.“ Sowohl Indonesien als auch Israel stellen es anders dar: Die Visa seien nie ausgestellt worden. Der indonesische Verband habe lediglich die für den Erhalt der Visa nötigen Einladungsschreiben ausgestellt und diese Schreiben später zurückgenommen.
FIG-Präsident Watanabe erklärte, es täte ihm für die ausgeschlossenen Sportler*innen „sehr leid“. Es habe „große Sicherheitsbedenken“ gegeben. „Das ist nicht politisch. Das ist alles, was ich dazu sagen kann. Jetzt, wo es passiert ist, müssen wir dafür sorgen, dass es in Zukunft nicht noch einmal geschieht.“ Wie das sichergestellt werden soll, blieb genauso offen wie die Frage nach eventuellen Sanktionen für den indonesischen Verband.
Der CAS hatte zwei Eilanträge des israelischen Verbandes abgelehnt, aber das Berufungsverfahren für einen Einspruch ist nach Informationen der BBC noch nicht entschieden. Das IOC erklärte am 17. Oktober, man habe die Entscheidung Indonesiens mit „großer Sorge“ aufgenommen. In der Erklärung heißt es:
Seitdem das IOC von der Situation im Zusammenhang mit den FIG-Weltmeisterschaften im Kunstturnen Kenntnis erlangt hat, steht es auf allen Ebenen in Kontakt mit dem Internationalen Turnverband (FIG), dem IOC-Mitglied in dem Land, dem Nationalen Olympischen Komitee und der Regierung Indonesiens, um eine Lösung zu finden. Leider wurde bisher keine Lösung gefunden.
Die FIG ist überzeugt, sich verteidigen zu können. „Es gibt andere Artikel [der Statuten], die uns helfen werden, uns zu verteidigen“, sagte Buompane. „Es ist an der Zeit, die Augen aufzumachen und sich nicht nur hinter einem Artikel zu verstecken.“

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