Kältekammer
Dass es in der Indonesia Arena eiskalt war, hat sich in der Turnwelt schnell herumgesprochen. Nach den ersten Tagen wurde die Klimaanlage zum Glück deutlich abgeschwächt, sodass man auch ohne Jacke oder Pulli in der Halle sitzen konnte. Ob es Zufall war, an den Berichten oder den Beschwerden vor Ort lag, wird wohl nie geklärt werden.
Prüfung in der Wettkampfpause
Die erst 15-jährige Amanda Yap hatte sich für das Balkenfinale qualifiziert und stand somit als erste Turnerin aus Singapur in einem WM-Finale. Am Tag nach ihrem Wettkampf flog sie nach Singapur zurück, um eine Matheprüfung in der Schule zu schreiben. Von ihrem Finaleinzug erfuhr sie aus dem Livestream. Am 24. Oktober folgte eine weitere Prüfung, ehe sie für das Gerätefinale wieder nach Jakarta flog. In einem starken Balkenfinale belegte sie schließlich Platz sechs. Nach ihrer Rückkehr erwarten sie weitere Prüfungen.
Geschichte geschrieben
Für eine ganze Reihe von Verbänden gab es in Jakarta echte Meilensteine. Charlize Mörz ist die erste Turnerin aus Österreich, die ein Gerätefinale erreicht. Auch für Singapur (Amanda Yap – Balken) und Thailand (Tikumporn Surintornta – Bodenfinale Turner) gibt es erstmals Gerätefinals Mit Lucija Hribar (Mehrkampf) erreicht erstmals eine slowenische Turnerin ein WM-Mehrkampffinale.
Die Bronzemedaille im Mehrkampf von Noe Seifert ist das beste Mehrkampfergebnis für die Schweiz seit 1950. Mit Platz 23 bzw. 24 im Mehrkampffinale schreiben auch Omar Mohamed (EGY) und Dagur Olafsson (ISL) für ihre Verbände Geschichte. Das Barrengold von Kaylia Nemour (ALG) war der erste WM-Titel für den afrikanischen Kontinent. Mit Ruben Sodea and Ledoux Ngorbo nahmen erstmals Turner aus Kamerun an einer Turn-WM teil.
Turnerisches Neuland
Auch für die Gastgeber wurde mit dieser WM Geschichte geschrieben. Erstmals fand eine Turn-WM in Südostasien statt. In Indonesien ist Turnen wenig entwickelt, was auch die große Leere auf den Rängen der Indonesia Arena erklären mag. Außer den Delegationen gab es in der Regel nur vereinzelt Schulklassen und Soldaten im Publikum. „Diese Meisterschaften sind nicht nur eine Sportveranstaltung, sondern auch ein Traum“, sagte Ita Yulati, Präsidentin des indonesischen Verbandes und des Organisationskomitees, vor der Eröffnung. „Wir haben die Geräte für diese WM nicht geliehen, sondern gekauft. Nach der Weltmeisterschaft möchten wir die Geräte an die Klubs geben. Bisher haben wir in Indonesien keine guten Geräte.“
Vertauschte Rollen
Die US-Männer gewannen durch Donnell Whittenburg (Ringe) und Brody Malone (Reck) zwei WM-Titel. Es war das erste Mal in über 20 Jahren, dass US-Männer zwei Titel bei einer WM gewannen. 2003 in Anaheim gewann Paul Hamm den Mehrkampf und den Boden. Malone, der einzige US-Teilnehmer der Olympischen Spiele 2024, der an die Geräte ging, hatte schon 2022 in Liverpool den Titel am Reck gewonnen. Asher Hong, ebenfalls 2024 im US-Bronzeteam, verletzte sich beim Einturnen für die Qualifikation und konnte nicht starten. Hong war der einzige US-Turner, der in Jakarta für den Mehrkampf gemeldet war.
In der Regel sind die US-Turnerinnen erfolgreicher als ihre Kollegen, aber in Jakarta waren die Rollen vertauscht. Vor der WM hatten sich sowohl Hezly Rivera, in Paris Olympiasiegerin mit dem Team, als auch die US-Meisterin der Juniorinnen 2024 Claire Pease mit Fußverletzungen aus dem Rennen genommen. Beide Turnerinnen trainieren bei Valeri Liukin im berühmten WOGA Klub. Dulcy Caylor hatte bei den internen US-Ausscheidungen den Mehrkampf gewonnen und sich somit ihren Platz im Team gesichert. Eine große Überraschung, hatte Caylor in einem Interview im August ihre Ziele für 2025 noch als „im Kader bleiben, es zur WM-Qualifikation schaffen und wirklich versuchen, eine Chance auf die WM zu haben“ beschrieben.
Am Ende erreichte Caylor, die beim World Champions Centre von Patrick Kiens und Daymon Jones trainiert wird, mit dem Mehrkampf, Balken und Boden drei Finals. In der Qualifikation war sie mit Platz fünf die beste US-Turnerin. Insgesamt gab es für die US-Turnerinnen durch Leanne Wong (Silber im Mehrkampf) und Joscelyn Roberson (Bronze am Sprung) lediglich zwei Medaillen. So wenige wie zuletzt 2001.
Georgieva und Szekely verletzt
Valentina Georgieva (BUL), bei der EM in Leipzig Silbermedaillengewinnerin am Sprung, verletzte sich in Jakarta in der Qualifikation beim Jurtschenko mit Doppelschraube am Knie und flog zu weiteren Untersuchungen direkt zurück in die Heimat.
Auch die Ungarin Zoja Szekely stürzte im Mehrkampffinale am Sprung und schien sich am Knie verletzt zu haben. Sie turnte jedoch zum Erstaunen – oder Erschrecken – vieler dennoch am nächsten Tag das Barrenfinale inklusive Tsukahara-Abgang. Bei der Landung fiel sie nach rechts auf die Matte und musste vom Podium getragen werden.

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