Zwei Starts, zwei Finals, zwei Siege – Helen Kevric gelang bei den Finals in Hannover ein starkes Comeback. Die 18-Jährige hatte sich letztes Jahr bei den Europameisterschaften in Leipzig schwer am Knie verletzt und trat in Hannover nur am Stufenbarren und Schwebebalken an. An beiden Geräten holte sie den Titel, am Barren stockte sie im Finale sogar noch auf und zeigte wieder Hindorff-Paksalto in direkter Verbindung (D-Note 6,4). Für die EM, bei der sie noch auf Sprung und Boden verzichten wird, ist sie damit eine der Favoritinnen an diesem Gerät. „Ich trainiere die anderen Geräte, aber ich plane sie noch nicht für die EM“, sagte Kevric in Hannover.

Die Medaillen bei den Finals wurden von den jeweiligen Trainer*innen an ihre Turnerinnen übergeben. Helen Kevric hängte sich ihre beiden Goldmedaillen jedoch selbst um den Hals, da sie momentan in Deutschland alleine trainiert. Sie fliegt regelmäßig nach Italien, wo sie bei Libertas Ginnastica Vercelli von Enrico Pozzo und Federica Gatti betreut wird. Und wenn sie in Deutschland ist, wo sie weiterhin im Stuttgarter Kunst-Turn-Forum trainiert? „In Stuttgart trainiere ich mit Marta [Boldori] und Lena [Dolgopolova], aber auch viel alleine, weil es einfach ein bisschen schwierig ist bei uns. Es ist blöd, hier alleine bei einem Wettkampf zu sein. Das will keine Athletin. Es hätte auch nicht so sein müssen.“

Mehrere Optionen gescheitert

Es hätte Optionen gegeben. Marie-Luise Mai und Giacomo Camiciotti, die Helen Kevric bis Ende 2024 trainierten, sind vom Schwäbischen Turnerbund im Zuge der schweren Missbrauchsvorwürfe mittlerweile gekündigt. Im Frühjahr 2025 wurde mit Aimee Boorman die ehemalige Trainerin von Simone Biles nach Stuttgart verpflichtet. Im August 2025 wurde Boormans Vertrag bis Ende 2028 verlängert. Im März 2026 trennte sich der DTB dann wieder von ihr. Kevric hatte mit ihr keine gemeinsame Linie finden können. Auch mit LaPrise Williams, verantwortliche Trainerin in Stuttgart, kommt sie nicht zurecht. Camiciotti und Mai saßen bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Backnang auf der Tribüne. Cheftrainer Gerben Wiersma setzte sich zu ihnen und man unterhielt sich länger. Ein Umstand, der in der Szene für Unmut sorgte und bei einigen Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Aufarbeitung aufkommen lässt.

In Hannover wurde Kevric am Gerät von Tatjana Bachmayer und Anatol Ashurkov betreut. „Ich trainiere nicht bei ihnen“, stellte sie klar, „aber wenn ich auf Wettkämpfen bin, unterstützen sie mich und dafür bin ich sehr dankbar.“ Bachmayer und Ashurkov waren in Hannover viel beschäftigt und zerrissen sich sichtlich zwischen mehreren Geräten und Turnerinnen. „Wir haben schon bei den Lehrgängen mit Helen zusammengearbeitet, insofern war das eine stimmige Lösung“, erklärte Tatjana Bachmayer. „Wir wurden gefragt, wir haben das bei den Lehrgängen übernommen. Wir kommen gut mit Helen zurecht. Mehr habe ich nicht nachgefragt.“

Für die Zukunft hat Kevric klare Wünsche: „Ich würde mir wünschen, dass mir in Stuttgart ein Trainer gestellt wird, der auch auf meinem Niveau mitarbeiten kann und dass ich jemandem habe, der mich bei Wettkämpfen betreut.“

Die deutschen Turnerinnen hinterließen in Hannover einen soliden Eindruck und können in Zagreb auf das Teamfinale sowie mehrere Einzelfinals hoffen. Hannover war der erste Qualifikationswettkampf für die EM, der zweite findet am 1. und 2. August in Frankfurt statt. Wer dazu eingeladen wurde, war vor Ort nicht mehr in Erfahrung zu bringen. Der Cheftrainer stand nach Abschluss der Wettkämpfe nicht für Fragen zur Verfügung.

Avatar von Leonie GymNews

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