Der französische Trainer Marc Chirilcenco wechselt nach Katar. Die Gerüchteküche hatte schon länger gebrodelt, aber am 30. Juni wurde es offiziell. Der französische Verband gab in einer Pressemitteilung bekannt, dass Chirilcenco „den Leistungssportdirektor des französischen Turnverbands über seine Entscheidung informiert [hat], seine Tätigkeit in Katar fortzusetzen.“ Die Nachricht versetzte Verband und die französische Turnszene in Aufruhr. Denn der Trainer wird nicht nur von seiner Ehefrau und langjährigen Kollegin Gina, sondern auch von einer Reihe Turnerinnen, darunter einige Minderjährige, begleitet. Auch hierüber habe er den Verband informiert, heißt es in der Erklärung.
„Sie sind die Besten“
Nach Katar zieht unter anderen Perla Denéchère, die in Zukunft auch für den Golfstaat an den Start gehen will. Das erklärte ihre Mutter Patricia gegenüber ICI Touraine. Die 16-Jährige stand in dem französischen Team, das bei der JEM 2024 in Rimini den Titel gewann und holte dort auch Bronze am Boden. Bei den französischen Meisterschaften im Juni belegte sie Platz vier im Mehrkampf. Über ihren Wechsel und den Umzug nach Katar sei Perla, so ihre Mutter, „super glücklich.“ Sie folge den Chirilcencos, „die die Besten sind“, so Mutter Patricia.
Nicht mitgehen wird dagegen die beste Turnerin des Gespanns, Elena Colas. Colas gewann bei der JEM 2024 Gold mit der Mannschaft und im Mehrkampf, 2025 bei der JWM Silber im Mehrkampf und am Boden. 2026 ist ihr erstes Jahr als Seniorin – sie gewann bereits den Mehrkampftitel bei der renommierten Jesolo Trophy in Italien und wurde Anfang Juni Mehrkampfmeisterin in Frankreich. Sie bleibt jedoch in Frankreich. „Warum wechseln, wenn für mich alles gut läuft? Ich weiß, dass ich in der französischen Mannschaft meinen Platz habe. Wenn das nicht so wäre, hätte ich darüber [einen Wechsel] vielleicht öfter nachgedacht“, sagte sie dem französischen Fachmagazin Vrille auf Nachfrage.
Vorwürfe von Nemour
Zusätzliche Brisanz erhält der Wechsel durch die schweren Vorwürfe, die Olympiasiegerin Kaylia Nemour im vergangenen Jahr gegen ihre ehemaligen Trainer Marc und Gina Chirilcenco erhoben hatte. Nemour berichtet von psychischem Druck, Demütigungen und einem von Kontrolle geprägtem Trainingsumfeld. Weitere ehemalige Turnerinnen und Familien äußerten sich ebenfalls kritisch über die Trainingsmethoden des Paares. Marc Chirilcenco hatte die Anschuldigungen stets zurückgewiesen. Eine Untersuchung im Nachgang der Aussagen Nemours hatte nicht zu Sanktionen gegen ihn geführt.
Katar hat gegenwärtig keine eigene Turnmannschaft. Turnerinnen aus dem Emirat haben in den letzten 10 Jahren kaum an internationalen Wettkämpfen teilgenommen. Es bestehen aber bekanntermaßen große Ambitionen im Weltsport. Man hat großes Interesse an der Austragung der Olympischen Spiele 2036. 2018 fand dort die Turn-WM statt, 2022 die Fußball-WM. 2030 werden in Doha die Asienspiele ausgetragen. Da kommt der Wechsel Chirilcencos samt Turnerinnen vielleicht gerade zur rechten Zeit.

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