Die Finals in Hannover sind für die deutschen Turner die nationale Meisterschaft, aber auch gleichzeitig die letzte Qualifikation für die EM in Zagreb vom 19.-22. August. Die Turner suchen in drei Wettkämpfen nach dem bestmöglichen Team- am 11. und 13. Juli in Halle und bei den Finals, wo der erste Wettkampftag am 23. Juli als Qualifikation gilt. Fünf Turner werden bei der EM in einer Mannschaft stehen, vier gehen ans Gerät, die drei besten Noten zählen. Zusätzlich kann ein Gerätespezialist nominiert werden, der an maximal drei Geräten starten kann, seine Ergebnisse zählen nicht für das Mannschaftsergebnis.
Der DTB hatte schon vor Beginn der EM-Quali der Turner Grund zur Freude. Der ukrainische Turnverband gab Radomyr Steklmakh frei, der somit ab sofort international für den DTB startberechtigt ist. Der 20-Jährige aus Saporischschja wurde 2024 mit dem ukrainischen Team Europameister und stand auch im Olympiateam, das in Paris Platz fünf belegte. Stelmakh lebt seit 2022 in Deutschland, als er nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges nach Cottbus kam. Die Turnhochburg Cottbus hat eine lange Verbindung in die Ukraine, schon in den 1990er Jahren turnte Alexander Svetlichni für Cottbus in der Liga. Auch Igor Radivilov, mittlerweile Cheftrainer der ukrainischen Turnerinnen, war lange Jahre Ligaturner für Cottbus.
Dank an den SC Cottbus
Roman Zozulija, der wie Stelmakh aus Saporischschja stammt, hatte ihn bei Kriegsbeginn angeboten nach Cottbus zu kommen. Auch Stelmakhs akuteller Trainer in Cottbus, Alexander Suprun, stammt aus der Ukraine. „Unser Verein, der SC Cottbus, hat richtig viel für mich gemacht“, sagte Stelmakh im März in einem Interview mit rbb24.
Auf der Sitzung des Exekutivkomitees des Turnweltverbandes World Gymnastics im März wurde sein Wechsel offiziell, allerdings mit der Einschränkung, dass Stelmakh erst nach einem Jahr international für den DTB starten dürfe. Ein Wechsel erfordert immer die Freigabe des alten Verbandes. Liegt diese nicht vor, sind Sportler*innen international für ein Jahr gesperrt. Das war etwa der Fall, als Anastasia Simakova von Russland nach Deutschland wechselte. Und auch Ilja Kovtun musste bei seinem Wechsel nach Kroatien ein Jahr warten. Kovtuns Sperre läuft nun aus, und er wird bei der EM in Zagreb sein internationales Debüt für Kroatien geben.
Stelmakh bestätigte seine Position im deutschen Team mit Siegen bei den beiden ersten Qualifikationen. Die Leistungen über beide Tage schwankten laut Bundestrainer.„Wir haben ein Stabilitätsproblem und damit zum aktuellen Zeitpunkt auch ein Problem, die bestmögliche Mannschaftsleistung zu präsentieren“, fasste Cheftrainer Jens Milbradt die Wettkämpfe zusammen. Nick Klessing fiel wegen Problemen an seiner nichtopertierten Schulter aus, noch vor der Qualifikation in Halle hatte sich Pascal Brendel einen Riss des Syndesmosebandes zugezogen.
Toba in seiner Heimatstadt am Start
Einen prominenten Rückkehrer wird es in Hannover geben, wenn auch nur national. Andreas Toba ist als Gewinner der Niedersächischen Meisterschaften für die Finals qualifiziert und wird in seiner Heimatstadt noch einmal einen Mehrkampf turnen. Er hatte im letzten Jahr seine Karriere mit einem emotionalen Moment und dem Gewinn der Silbermedaille bei der EM in Leipzig beendet und ist mittlerweile Trainer.
Die Wettkämpfe in der ZAG Arena beginnen am 23. Juli mit dem Mehrkampf, der auch die Qualifikation für die Gerätefinals am 25. und 26. Juli ist.
Startliste
Zeitplan
23. Juli 11:00-14:00 Mehrkampf Turner
25. Juli 11:00-14:00 Gerätefinals Boden, Pauschenpferd, Ringe
26. Juli 11:00 -14:00 Gerätefinale Sprung, Barren, Reck
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