Platz 15 war nicht das, was sich die deutschen Turner von ihrem WM-Start in Rotterdam erhofft hatten. Nach einem guten Start in den Wettkampf folgte am Boden ein echtes Debakel. Dort blieb nur Startturner Nils Dunkel ohne Sturz, Timo Eder und Radomyr Stelmakh hatten beide mehrere Patzer, auch Lucas Kochan stürzte. Das Ergebnis – drei Wertungen unter 12 Punkten und magere 35,465 Punkte als Teamergebnis. Auch wenn sich das Team an den letzten drei Geräten fing, war dieser Rückstand nicht mehr aufzuholen.

Ein Ergebnis von 241 bis 242 Punkten war die Richtung, in die das Team wollte. „Wir hatten aus meiner Sicht den ersten Rückschlag am Reck, wo Radomyr die [geplante] Übung nicht turnen konnte“, sagte Cheftrainer Jens Milbradt nach dem Wettkampf. „Das war der erste kleine Dämpfer, und dann kam der absolute Knackpunkt mit Boden. Wenn die beste Übung eine 12,000 ist, dann hat man einfach keine Chance mehr. Dennoch haben die Jungs über Pferd, Ringe und Sprung gut gekämpft ohne größere Fehler, die in die Wertung gehen. Aber das reicht natürlich nicht, um in den Bereich zu kommen, den wir uns vorstellen.“

Schwierige Vorbereitung

Die Vorbereitung war schwierig und auch die zweite Qualifikation in Stuttgart war von vielen Instabilitäten durchzogen. Nach beiden Qualifikationswettkämpfen war zunächst nur Timo Eder für das WM-Team nominiert worden, die anderen vier Turner wurden erst im Laufe der Vorbereitung in Kienbaum nominiert.

Für Stelmakh lief es in Rotterdam nicht rund. Neben Boden verturnte er auch noch Reck, wo er nur einen D-Wert von 4,700 erhielt und am Sprung landete er sehr tief. Mit 76,931 Punkten und Rang 39 in der Mehrkampfwertung blieb er weiter hinter seinem Potenzial zurück. Auf die erste WM-Qualifikation hatte er, wie Timo Eder, verzichtet. Die zweite Qualifikation musste er krankheitsbedingt absagen. „Ich glaube schon, dass der eine oder andere, Radomyr vor allen Dingen, in den letzten Wochen nicht optimal trainieren konnte. Wegen Krankheit und es gab noch ein paar andere kleine Zipperlein“, erläuterte Milbradt. „Aber diese Leistung ist in der Art und Weise in der Vorbereitung nicht ein einziges Mal passiert. Aus dieser Sicht hat es mich heute selber ein bisschen überrascht.“

12 Teams qualifizieren sich für die Olympischen Spiele 2028. In Rotterdam werden sich die ersten drei Teams aus dem Teamfinale dafür qualifizieren. Damit hätte die deutsche Mannschaft auch bei optimalem Wettkampf nichts zu tun. Der entscheidende Wettkampf für die Teams 4 bis 12 wird die WM nächstes Jahr in Chengdu. Bis dahin liegt „viel Arbeit“ vor den Deutschen, sagt Milbradt.

„Auch unsere Qualifikationen waren nicht sonderlich toll und erfolgreich. Wir müssen uns über die Vorbereitungssituation der Turner Gedanken machen. Ich glaube schon, dass wir die Turner und die Trainer haben, um aus der Situation rauszukommen. Aber wir reden schon zu lange über Potenziale und wir reden zu wenig über die eigentlichen Leistungen, die in den Wettkämpfen gebracht werden. Wir müssen in die Analyse gehen. Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass wir die Turner haben, um es zu schaffen. Wir haben das Umfeld, das es schaffen kann. Wir müssen es dann auch erst mal tun.“

Eder im Mehrkampffinale

Timo Eder qualifizierte sich für das Mehrkampffinale. Es ist der einzige Finalplatz der deutschen Turner bei dieser WM. „Ich bin zufrieden, dass ich im Mehrkampffinale bin, aber traurig, dass wir es nicht ins Teamfinale geschafft haben. Das haben wir uns am Boden selber kaputt gemacht. An den anderen Geräten war es ein solider, normaler, durchschnittlicher Wettkampf.“ Seine Fehler wollte er nicht auf die Vorbereitung oder andere Umstände schieben. „Ich war gut vorbereitet, Manchmal fällt man runter. Es hat davor immer geklappt. Man kann sich nie zu 100% sicher sein. Man kann die Wahrscheinlichkeit so klein wie möglich halten, aber 100-prozentige Sicherheit bekommt man nie.“

Avatar von Leonie GymNews

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